60 der anwesenden 103 Delegierten sprachen sich für einen Wechsel aus, nachdem beide Kandidaten in einer 20-minütigen Rede die Chance hatten, die Genossen auf ihre Seite zu ziehen. Auch einige Redner des Parteitages machten mit Worten und Gesten klar, dass sie sich für die 44-jährige Magdeburgerin aussprechen würden. So verließ Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper nach der Rede von Budde den Raum, nicht ohne ihr demonstrativ auf die Schulter zu klopfen. Der Redebeitrag von Holger Hövelmann schien seiner Aufmerksamkeit nicht zu benötigen. Auch Finanzminister Jens Bullerjahn nutzte die Gelegenheit, in seiner Rede für Budde zu werben. Dabei steht der amtierende Finanzminister selbst unter Beschuss. Seine ruppige Art, mit der er sich selbst wiederholt als „harten Hund“ bezeichnete, kommt nicht bei allen Genossen gut an. Dennoch bekräftigte er sein Vorhaben: „Ich will Ministerpräsident werden!“ Dennoch nutzte er die Gelegenheit, auf die wichtige Rolle des jetzigen Ministerpräsidenten hinzuweisen. „Ohne Böhmer wäre die Koalition bereits zerbrochen“, wies er auf die integrativen Fähigkeiten des Ministerpräsidenten hin.
Auch Bullerjahn war federführend im internen Machtkampf der SPD. „Doch nun muss ab heute Schluss damit sein“ forderte der Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel in seiner Rede an die Delegierten. Der seit wenigen Wochen nun in Magdeburg Stadtfeld wohnende Gabriel gab zu verstehen, dass er sehr aufmerksam das Geschehen in Sachsen-Anhalt verfolgt hätte: „Wenn ich die Zeitungsberichte der SPD aus diesem Land lese, verstehe ich, wenn man kein Mitglied der SPD sein möchte. Die SPD ist keine Selbsterfahrungsgruppe. Die Menschen in diesem Land erwarten eine professionelle Vertretung ihrer Interessen.“ Ebenso fand er kritische Worte zu den vorangegangenen Worten des Magdeburger Oberbürgermeisters, der wiederholt Kritik an der Hartz IV –Gesetzgebung übte. „Die SPD ist die Partei, die für den Mindestlohn steht, doch wir können nicht die Augen vor der Realität verschließen.“ Außerdem scherzte Gabriel, dass er noch auf den Bescheid der Landeshauptstadt über seine Zweitwohnsitzsteuer wartet. Aus Halle würde man ihm schon Angebote machen, dort zu wohnen. Dort gäbe es diese Steuer nicht.














