„Meine Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gestoßen. Ich bedauere, dass meine Äußerungen in einer für unsere Nation wichtigen und schwierigen Frage zu Missverständnissen führen konnten. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen. Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten - mit sofortiger Wirkung. Ich danke den vielen Menschen in Deutschland, die mir Vertrauen entgegengebracht und meine Arbeit unterstützt haben. Ich bitte sie um Verständnis für meine Entscheidung.", mit diesen Worten beendete am frühen Nachmittag Horst Köhler seine Bundespräsidentschaft. Laut Verfassung übernimmt der Bundesratspräsident die Amtsgeschäfte, bis ein neuer Bundespräsident, eine neue Bundespräsidentin gewählt ist. Das muss binnen einem Monat geschehen. Diese Aufgabe obliegt in diesem Fall dem Bremer Regierungschef und Bürgermeister Jens Böhrnsen.

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer reagierte mit Bedauern auf den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler. Die missverständlichen Äußerungen von Köhler zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sehe er nicht zwingend als Grund für den Rücktritt als Staatsoberhaupt. Insofern sei er vom Amtsverzicht des Bundespräsidenten überrascht, betonte Böhmer. „Ich habe Horst Köhler als Bundespräsidenten immer sehr geschätzt. Bei seinen Besuchen in Sachsen-Anhalt habe ich ihn zudem als einen volksverbundenen und gegenüber den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land aufgeschlossenen Menschen erlebt. Horst Köhler hat stets das Gespräch gesucht und sich nicht gescheut, auch brisante Fragen anzusprechen und eine eigene Meinung zu vertreten. Das habe ich an ihm geschätzt“, so der Ministerpräsident.