Zunächst ist es der Realismus dieses Festes. Man muss nicht in Traumwelten flüchten. Wie die biblischen Texte zum Ausdruck bringen, war die Geburt Jesu von Nazareth vor etwa 2000 Jahren ja alles andere als idyllisch. Sie ereignete sich unterwegs; Maria und Josef finden keine Herberge; schließlich musste man sogar fliehen, weil Soldaten den Neugeborenen zu töten suchten. Wenn wir heute Weihnachten feiern, geht das auch nicht problemlos ab. Wie viele Schwierigkeiten belasten doch unsere Gesellschaft: finanzielle Kürzungen und soziale Einschnitte, abnehmende Solidarität und mangelnde Verständigungsbereitschaft, Erziehungs- und Bildungsprobleme. Das Miteinander scheint rauer und auch geistloser geworden zu sein. Wie soll man da unbelastet Weihnachten feiern? Geht das nicht nur, wenn einige Tage oder wenigstens Stunden vieles ignoriert, verdrängt oder bagatellisiert wird? „Nein“, sagt der christliche Glaube. Gerade dieser konkreten Welt gilt die Weihnachtsbotschaft: Gottes Sohn wird Mensch, das Licht kommt in die Finsternis, mitten in der Kälte blüht eine Rose auf. Uns wird etwas geschenkt, was wir selbst nicht produzieren können oder verdient haben: die Zusage von Erlösung, Vollendung und ewigem Leben. Daraus kann – und das ist das zweite, das ich mit Weihnachten verbinde – eine große Hoffnung wachsen. Wir haben Zukunft, auch wenn uns manchmal Probleme und Schwierigkeiten niederdrücken. Aus dieser tiefen Hoffnung heraus konnten und können Christen sogar in notvollen Situationen Weihnachten feiern: auch in Krankenhäusern und Gefängnissen, im Krieg und auf der Flucht, fern der Heimat oder angesichts des Todes lieber Mitmenschen. Wer sich von einem Sinn getragen weiß und ein Ziel sieht, vermag manches Unverständliche zu verkraften und den Mut nicht zu verlieren. Weihnachten – und das ist schließlich das dritte, was ich für bedenkenswert halte – bewegt und drängt dazu, möglichst vielen die Liebe Gottes, die in Jesu Leben erfahrbar geworden ist, zu erschließen und durch eigenes Handeln zu bezeugen. Wie Gott sich mit der Welt in ihrem unheilvollen Zustand nicht abgefunden, sondern sich in ihre Verhältnisse eingemischt hat, stände es uns gut an, sich ähnlich zu engagieren: für mehr Solidarität mit denen, die überfordert sind, an den Rand gedrängt oder ausgeschlossen werden, auch für die Verteidigung der Würde des Menschen von der Zeugung bis zum Tod, für eine familien- und kinderfreundlichere Gesellschaft oder noch grundsätzlicher für mehr Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Zivilcourage und Einsatzbereitschaft sind gefragt, damit es um uns herum und auch anderswo in der Welt erträglicher und lichtvoller wird. Weihnachten ist ein Hoffnungszeichen, bietet Trost und Freude, fordert aber auch heraus und weist Wege zu Gott und den Menschen. Ich lasse mich gern darauf ein und wünsche auch Ihnen anregende Feiertage.














