Die fanatische Lektüre zu vieler Romane hat dem Landjunker Quijana derart die Sinne verwirrt, dass ihm Fantasie und Wirklichkeit durcheinander geraten. Nicht allein, dass er all die erfundenen Geschichten für wahr hält, er ist auch fest davon überzeugt, selber
zum Ritter berufen zu sein. Fortan nennt er sich Don Quichote und wirbt den Bauern Sancho Pansa als Schildknappen an. Um den Gesetzen der hohen Minne zu genügen, tauft er ein nichtsahnendes Bauernmädchen auf den Namen Dulcinea und erklärt sie zur Herrin seines Herzens. Zum Schutz der Schwachen und Hilflosen zieht er mit Sancho durch die Lande, um die Ordnung des „Goldenen Zeitalters“ wieder herzustellen. Und kein Unglück, keine Irritation kann dabei seine Überzeugung erschüttern. Alles integriert er in seine fixe Idee. Windmühlen werden ihm zu Riesen, Huren zu Hofdamen und Dorfschenken zu Burgen … Cervantes´ 1605 und 1615 erschienener Roman wirft die Frage auf, in welchen Gesellschaftsentwürfen sich unser Verlangen nach Übersichtlichkeit und Verbindlichkeit ausdrückt. Wie utopisch, wie reaktionär sind die Alternativen, die wir zur Realität entwerfen? Regisseurin Claudia Bauer studierte Schauspiel und Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Sie arbeitete als Regisseurin u. a. in Chemnitz, Halle, Schwerin, Berlin und Stuttgart. 1999-2004 war sie Künstlerische Leiterin des Theaterhauses Jena. Ihre Inszenierung des „Faust“ (Puppentheater Halle) fand überregionale Beachtung und wurde zu zahlreichen Festivals eingeladen.