Am Anfang des Jahres war erst einmal Editha verschwunden, die erste Frau von Otto dem Großen, eine englische Prinzessin. Der Landeskonservator aus Halle hat im Grab von Editha nach der Editha gesucht und, Überraschung, sie lag tatsächlich drin. Wer hätte das gedacht? Jeder, denn das stand ja schließlich auch draußen dran. Also eine Sensation war dieser Fund nicht. Eine Sensation wäre, wenn im Grab von unserer Oma die Marilyn Monroe drin liegen würde. Aber da guckt ja keiner nach. Egal, Magdeburg wollte Edith zurück, weil man dieses Jahr 800 Jahre Dombaustelle feierte. Ganz ehrlich, auf diese Handwerker wäre ich nicht stolz. Und glaubt irgendjemand ernsthaft, wegen Edithas Knochen wären mehr Besucher gekommen?

Weil nicht genug da waren, brauchten wir dringend ein neues Image. Magdeburg ist ja bekanntlich die Stadt mit Zugkraft. So lautet, glaube ich, immer noch unser aktueller Slogan. Oder sind wir jetzt Stadt der Wissenschaft? Man kann da ziemlich leicht den Überblick verlieren, denn diese Slogans wechseln öfter mal. Sicher ist nur, dass wir früher aufstehen, aber das macht ganz Sachsen-Anhalt und wer weiß wie lange noch. Aber für ein paar hunderttausend Euro aus der angeblich so klammen Stadtkasse hat uns eine Hamburger Agentur ein neues Image gezaubert: Otto ist das Motto. Toll, was? So wahnsinnig kreativ. Und so eindeutig. Otto, da kann doch nur einer gemeint sein. Oder zwei. Oder so. Haldensleben zum Beispiel ist ja auch Otto-Stadt. Denn dort wird Otto versandt. Gardelegen ist da lustiger, die haben Otto Reutter, den Otto Waalkes der goldenen Zwanziger. Man sitzt auf der Otto-Mane, das Auto fährt mit Otto-Motor. Du kannst Otto sogar essen, als Ris-Otto. Und wenn du danach Durchfall hast, dann hat man schon wieder Otto, flotten Otto. Also kommt der Otto da raus, wo die ganze Idee hingehört.

Warum fällt mir ausgerechnet da der neue Anbau an der Lukasklause ein? Ein architektonisches Meisterwerk, wenn man große gelbe Klötze mag. Die Architekten sagen, sie wollten damit niemanden provozieren. Stimmt, wenn es ein rosa Puschel geworden wäre, dann wäre es vielleicht provokant gewesen. Aber so... Irgendwie erinnert mich das an das Ergebnis der Bundestagswahl. Die Merkel ist ein wenig so wie die Lukasklause, und der gelbe Würfel ist Westerwelle. Ein großer gelber Klotz am Bein. Dieses in’s Pissgelb hinüberchargierende Betonmonument stört genau so, wie das fleischgewordene Guidomobil jeden denkenden Menschen in den Wahnsinn treibt. Wenigstens ist er als Außenminister nicht so oft hier.

Die SPD ist ja auch nicht mehr hier. Bei der letzten Bundestagswahl holten sie hier alle Direktmandate und diesmal keines. Da könnte man richtig Mitleid kriegen. Ich glaube ja allmählich schon, dass es keine Wildschweine sind, die ja hier nachts angeblich auf den Friedhöfen buddeln, sondern Sozialdemokraten, die ganz verzweifelt die toten Genossen wieder ausgraben wollen, damit die wieder mehr Stimmen kriegen. Daher können Sie ein SPD-Mitglied ganz gut an den schwarzen Fingernägeln erkennen.

Aber manchmal erreicht Politik auch etwas. Tauchen und schwimmen darf man in Magdeburg jetzt auch in langen Hosen. Das hat unser Kultur- und Sportbeigeordneter durchgesetzt. Was für ein Einsatz für die Bürgerrechte. Und das es mit dem Sport zur Zeit nicht so ganz rund läuft, dafür kann er ja nichts. Dem SCM ist Trainer und Sportdirektor abhanden gekommen, aber angeblich spielen sie immer noch Handball. Dem FCM ist der Manager abhanden gekommen, und die Mannschaft stemmt sich mit aller Kraft gegen den Aufstieg. Im nunmehr stadteigenen Stadion tobt mittlerweile nur noch eines: Der Würstchenkrieg. Der brach auch im Stadtrat aus, als die Tierschutzpartei uns mit einem fleischfreien Tag in der Woche beglücken wollte. Schließlich würden Millionen von Touristen nach Magdeburg strömen, um hier fleischfrei glücklich zu sein. Und die SOKO Pottkieker soll dann wahrscheinlich am fleischlosen Freitag Razzien in Privathaushalten durchführen, um die illegalen Fleischfresser zu verhaften.

Am Ende aber steht wieder der Tunnel. Er kommt. Sicher. Angeblich. Jedenfalls war die letzte Abstimmung im Stadtrat eindeutig. Nach mehrmaligem Auszählen. Wenigstens eines haben wir dabei gelernt: Politiker können nicht einmal zählen.

In diesem Sinne, schönes neues Jahr wünscht Ihnen Ihr Kugelblitz Lars Johansen